Die Relevanz des Themas Nachhaltigkeit für KMU

Wenngleich es schwierig ist, verallgemeinernde Aussagen über den Nutzen von Nachhaltigkeitsengagement für Unternehmen zu treffen, lassen sich zumindest einige Tendenzen ausmachen:

  • Keine Mehrkosten

Zunächst einmal ist festzustellen, dass aus dem Nachhaltigkeitsengagement im Allgemeinen zumindest keine Mehrkosten für das Unternehmen entstehen. Bei einer weltweiten Befragung von 1200 Geschäftsführern, die 2007 von der Economist Intelligence Unit durchgeführt wurde, waren 57% der Befragten der Meinung, dass die Kosten von Nachhaltigkeitsmaßnahmen durch deren Nutzen für das Unternehmen aufgewogen werden.

  • Stabilität in Krisenzeiten

Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen scheinen krisenresistenter zu sein. In einer Studie des Beratungsunternehmens A.T. Kearney, die 2009 durchgeführt wurde, stellte sich heraus, dass Unternehmen, die sich in Sachen Nachhaltigkeit engagieren, im Vergleich zu herkömmlichen Unternehmen der gleichen Branche selbst in den ersten Monate der Weltwirtschaftskrise auf den Aktienmärkten wesentlich besser abschnitten. Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch 2003 schon das Deutsche Aktieninstitut bei einer Befragung von knapp 1000 börsennotierten Unternehmen.

  • Nachhaltigkeit als Risikomanagement

Zumindest einen Wertverlust an den Aktienmärkten müssen Unternehmen also nicht befürchten. Da dies für die meisten deutschen KMU aber sowieso nicht relevant ist, steht für uns ein anderer in der Studie des Aktieninstituts betonter Aspekt im Vordergrund: Nachhaltigkeit als Risikomanagement. Zum einen reduziert umweltfreundliches und soziales Wirtschaften die Gefahren eines Imageverlustes, wie ihn beispielsweise die Marke Nike erlitt, nachdem herauskam, dass Schuhe dieser Marke von Kindern hergestellt wurden. Auch für Gerhard Prätorius, Volkswagen-Koordinator für CSR (Corporate Social Responsibility), steht neben der Wertsteigerung auf den Aktienmärken, die mit Engagement für mehr Nachhaltigkeit einherzugehen scheint, das Risikomanagement im Vordergrund. Er zitierte in einem Interview mit dem Manager Magazin Warren Buffet: „Um ein Image zu ruinieren, reichen zehn Sekunden. Um es wieder aufzubauen, brauchen wir zehn Jahre“ (Manager Magazin 2008).

  • Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil

Abgesehen vom Einfluss den CSR auf Firmen- und Markenreputation haben kann, ist CSR gleichzeitig als Wettbewerbsvorteil, also als ein Instrument, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen, zu sehen. Bei einer Befragung 250 Führungskräfte durch IBM gaben 54% der Befragten an, dass ihr Nachhaltigkeitsengagement sich bereits jetzt als Wettbewerbsvorsprung gegenüber den Konkurrenten bemerkbar macht (IBM 2008). Auch das Erschließen neuer Märkte kann mittels CSR erreicht werden. So wird es beispielsweise möglich, ein neues, auf ökologische und soziale Aspekte wert legendes, Kundensegment anzusprechen.

  • Nachhaltigkeit als langfristige Investition

Trotz dieser Vorteile, die das Integrieren von Nachhaltigkeitsaspekten in die Unternehmensstrategie mit sich bringen kann, sollten gerade KMU beachten, dass dies nur sinnvoll ist, wenn diese Aspekte strategierelevant sind. Es geht also nicht darum, aus rein altruistischen Motiven heraus, umweltfreundlicher und sozialer zu wirtschaften, sondern darum, gleichzeitig einen wirtschaftlichen Nutzen aus dem Nachhaltigkeitsengagement zu ziehen. In diesem Zusammenhang müssen die meisten im Rahmen einer Nachhaltigkeitsstrategie ergriffenen Maßnahmen als Langzeitinvestitionen begriffen werden. Auch wenn einige Maßnahmen sich recht schnell rentieren, beispielsweise der sparsamere Umgang mit Ressourcen, werden die meisten erst auf mittel- oder langfristige Sicht für das Unternehmen von Vorteil sein. Meistens handelt es sich dabei um Fortschritte die sich nur schwer mit finanziellen Kennzahlen messen lassen, jedoch indirekt oder direkt die obersten finanziellen Ziele eines Unternehmens beeinflussen. Engagiert sich ein Unternehmen beispielsweise sozial, indem es seinen Umgang mit den eigenen Mitarbeitern verbessert oder Bildungsinstitutionen an seinem Standort finanziell unterstützt, so wird sich nach und nach seine Reputation verbessern und seine Attraktivität als Arbeitgeber steigern. Dies wiederum führt dazu, dass es besser ausgebildete Fachkräfte anzieht, was einen sehr direkten Einfluss auf den Erfolg eines Unternehmens haben kann und ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz ist.

  • Fazit: Nachhaltiges Wirtschaften lohnt sich, muss aber gut umgesetzt werden

Insgesamt lässt sich also festhalten, dass es sich für die meisten Unternehmen durchaus auszahlt, nachhaltiger und sozialer zu wirtschaften. Unserer Auffassung nach ist die Formulierung einer Nachhaltigkeitsstrategie jedoch nur der erste Schritt und wird alleine keinen Vorteil bringen. Die formulierte Strategie muss in einem zweiten Schritt auch in das vorhandene Managementsystem des Unternehmens integriert werden und sich anschließend auch in den Geschäftsprozessen widerspiegeln.

Wie dies aus unserer Sicht geschehen sollte, lesen Sie hier.